Können Sie zur Beibehaltung der Angst Ihres Partners beitragen?
Wenn Ihr Partner unter einer Angsterkrankung leidet, dann bleibt dies nicht ohne Auswirkungen auf Ihre Partnerschaft. So verändern sich vielleicht schleichend die Aufgabenverteilung und die gemeinsamen Aktivitäten. Es könnte sein, dass Sie mehr oder weniger unbewusst durch bestimmte Verhaltensweisen dazu beitragen, die Angst Ihres Partners zu stärken und aufrecht zu erhalten.
Schauen wir uns einige Verhaltensweisen an, die dazu beitragen können, dass die Angst Ihres Partners gefestigt wird.
- Vielleicht nehmen Sie ihm Aktivitäten wie etwa das Einkaufen ab, weil Ihnen die Diskussionen darüber lästig sind, Sie Konflikten aus dem Weg gehen wollen oder ihn einfach nicht mehr leiden sehen wollen. Dadurch aber wird Ihr Partner immer unselbständiger.
- Oder aber Sie glauben, er schaffe es nicht ohne Ihre Hilfe, und helfen ihm auch in Situationen, in denen er ganz gut alleine klarkäme. Auch hier fördern Sie seine Unselbständigkeit und nehmen ihm die Chance, sein Vertrauen in sich und seinen Körper zu stärken.
- Ein Motiv, die Angst des Partners zu erhalten, könnte auch sein, dass Sie
befürchten, Ihr Partner würde Sie verlassen oder alles in der Partnerschaft würde schwieriger werden, wenn er keine Angst mehr hätte. Deshalb ist seine Abhängigkeit für Sie ganz willkommen und Sie fördern diese.
- Es könnte auch sein, dass Sie sich gebraucht fühlen, wenn Sie Ihrem Partner helfen, d.h. Sie nähren Ihr Selbstwertgefühl durch Ihre Hilfe. Bräuchte er Ihre Hilfe nicht mehr, dann kämen Sie sich nutzlos vor.
Überlegen Sie sich einmal für Ihre Partnerschaft, welche Funktion die Angst für die Partnerschaft haben könnte:
- Wie hat sich die Partnerschaft seit der Angsterkrankung verändert?
Was hat sich positiv verändert?
Sind Ihr Partner und Sie z.B. häufiger zusammen?
Nehmen Sie sich mehr Zeit für den Partner?
Streiten Sie weniger?
Denken Sie oder Ihr Partner nicht mehr an Trennung?
Werden mögliche Konflikte jetzt nicht angesprochen?
Haben Sie mehr Entscheidungsfreiheiten?
- Wie würde sich die Partnerschaft verändern, wenn die Angst nicht mehr da wäre?
Würde sich etwas zum Nachteil für Sie verändern?
Müssten Sie Ihren Partner mit anderen teilen?
Hätte Ihr Partner weniger Zeit für Sie?
Würde wieder mehr gestritten?
Würde sich Ihr Partner von Ihnen trennen?
Würde er wieder das Sagen haben?
Vielleicht können Sie wirklich einige Vorteile darin entdecken, dass Ihr Partner Angst hat. Wenn ja, dann überlegen Sie einmal, ob Sie den Gewinn, den Sie durch seine Angst haben, auch auf anderem Weg bekommen können – auf einem Weg, bei dem Sie und Ihr Partner gesund bleiben bzw. Ihr Partner wieder gesund wird.

