Wie verläuft der Veränderungsprozess?
Eine Veränderung ist, wie Sie wahrscheinlich bereits an sich selbst erlebt haben, gar nicht so leicht zu bewerkstelligen. Wir müssen mit einigen Hürden rechnen.
Nehmen wir einmal an, Sie wollen die Angst vor dem Fahrstuhl-Fahren überwinden. Dann verläuft der Veränderungsprozess in 5 Phasen:
- In der 1. Phase haben Sie die theoretische Einsicht, dass die Angst vor dem Fahrstuhl übertrieben und irrational ist. Sie wissen, dass die Fahrstühle in der Regel sicher sind und es relativ unwahrscheinlich ist, dass etwas passiert. Sie wissen auch, dass Ihre Angst entstanden ist, weil Sie gedacht haben, dass der Fahrstuhl gefährlich sei. Sie wissen, dass die Angst unangenehm ist, aber Sie diese ertragen können, wenn Sie mit dem Fahrstuhl fahren.
- Nun muss die 2. Phase folgen: die praktische Übung. Sie müssen Ihre Erkenntnis umsetzen und mit der Angst in den Fahrstuhl steigen.
- Während der praktischen Übung gelangen Sie in die 3. Phase, den Widerspruch zwischen Kopf und Bauch.
Obwohl Sie sich vom Kopf her klar darüber sind, dass das Aufzug-Fahren keine Katastrophe ist und Sie die Fahrt überleben werden, haben Sie das Gefühl, als ob Sie die Fahrt nicht aushalten können. Ihr Gefühl sagt Ihnen: "Das hältst du nicht aus. Bestimmt bleibt der Lift hängen." und Ihr Kopf sagt Ihnen: "Das Fahrstuhl-Fahren ist nicht gefährlich. Du kannst deine Angst und deine körperlichen Symptome aushalten." Das alte Gefühl ist quasi wie eine Warnanlage, die Sie noch einmal fragen will: Meinst du es ernst mit deiner Veränderung? Folgen Sie dem alten Gefühl, werden Sie sich niemals ändern. Sie können sich nur ändern, wenn Sie Ihr altes Gefühl einfach nur zur Kenntnis nehmen, als Irrtum ansehen und sich nach Ihrer neu erarbeiteten Einstellung verhalten.
- Nun ist der schwierigste Teil der Veränderung bereits geschafft. Sie kommen in die 4. Phase, der Übereinstimmung zwischen Kopf und Bauch.
Sie sind sich Ihrer neuen Gedanken noch bewusst, aber das Gefühl stimmt schon mit den Gedanken überein. Sie haben das Gefühl, „es richtig zu machen.“. Die Angst hat deutlich nachgelassen oder ist bereits überwunden. Sie steigen problemlos in den Lift.
- Die 5. und letzte Phase ist dann erreicht, wenn eine neue Gewohnheit entstanden ist.
Ihr Denken läuft automatisch ab. Sie benutzen den Fahrstuhl wahrscheinlich wie Ihr Auto ohne irgendeinen Gedanken an Gefahr. Während der Fahrt im Lift können Sie sich mit Alltagspflichten befassen oder sich angenehm mit Mitfahrern unterhalten.
Gefühle sind also manchmal gute, manchmal schlechte Berater. Wir müssen herausfinden, ob es uns in einer bestimmten Situation hilft oder schadet, auf unsere Gefühle zu hören. Gefühle entstehen durch unsere Gedanken und Phantasien. Sie entsprechen nicht immer der Situation. Deshalb müssen wir an den Ursprung der Gefühle zurückgehen und unsere Gedanken überprüfen.
In den Selbsthilfe-Informationen Gefühle beeinflussen und Gesundes Denken erfahren Sie mehr darüber.

