So können Sie Ihrem Partner helfen, wenn er unter Ängsten leidet


Wenn Sie einen Partner mit einer Angsterkrankung haben, dann haben Sie vermutlich schon vieles ausprobiert, um ihm zu helfen – z. B. gut zuzureden, zu drohen, alleine etwas zu unternehmen, eine Belohnung zu versprechen, usw.
Vielleicht sind Sie unsicher, was gut für ihn wäre bzw. schlecht für ihn ist.

Hier sind einige Strategien, mit denen Sie Ihren Partner unterstützen können:

- Informieren Sie sich, wie Angst entsteht und wie Ihr Partner sie überwinden kann.
Schauen Sie sich hierzu die Videos und gegebenenfalls auch die Pdf-Selbsthilfe-Informationen an, die sich mit der Angsterkrankung Ihres Partners befassen.

- Nehmen Sie ihn und seine Angst ernst, d.h. machen Sie sich nicht lustig über ihn oder seine Angst. Auch Sätze wie: "Na komm, stell dich nicht so an.", "Da brauchst du doch keine Angst zu haben. Ich habe doch auch keine." oder "So schlimm kann es nicht sein.", helfen ihm nicht.

- Vermitteln Sie Ihrem Partner, dass Sie auf jeden Fall wollen, dass er seine Angst überwindet.

- Begleiten Sie ihn nicht überall hin, sondern lassen Sie ihn alleine Erledigungen machen. Wenn dieser Schritt zu groß ist, bauen Sie schrittweise Ihre Unterstützung ab.

- Erinnern Sie Ihren Partner in Angst auslösenden Situationen an die Bewältigungsstrategien wie z.B. die langsame Atmung und positive Selbstinstruktionen.

- Ermutigen Sie ihn behutsam und mit sanftem Druck zu kleinen Schritten und loben Sie ihn, wenn er den Schritt bewältigt hat.

- Bestärken Sie ihn immer wieder, mit der Angst in Situationen zu gehen.

- Ermutigen Sie Ihren Partner, in Situationen zu bleiben, bis die Angst abgeklungen ist.

- Erinnern Sie ihm immer wieder daran, dass die Angst mit Übung abnehmen wird.

- Setzen Sie Ihren Partner jedoch nicht zu stark unter Druck, in eine für ihn Angst auslösende Situation zu gehen, sonst besteht  das Risiko, dass er von seiner Angst überflutet wird und diese noch verstärkt wird.
Ermutigen Sie ihn, wenn ihm eine Situation zu schwierig erscheint, stattdessen in eine leichtere zu gehen, statt ganz auf die Übung zu verzichten.

- Motivieren Sie ihn, leichten Sport zu treiben. Durch die körperliche Betätigung wird sein Körper wieder belastbarer, und das ist wichtig.

- Bestärken Sie ihn nicht darin, immer wieder neue medizinische Untersuchungen durchführen zu lassen, wenn sich hinter seinen körperlichen Beschwerden eine Angsterkrankung verbirgt.

- Ermutigen Sie Ihren Partner zur Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe oder der Beteiligung an einem Forum.

- Raten Sie ihm dringend zur Therapie, wenn er sich nicht alleine aus seinem Gefängnis der Angst befreien kann


Generell sollten Sie immer Eines bedenken:

Eine Hilfe, die die Unselbständigkeit Ihres Partners fördert und verstärkt, ist keine Hilfe – auch wenn es Ihrem Partner durch Ihre Hilfe vielleicht kurzfristig besser geht, weil er nicht mit seinen Ängsten in Berührung kommt. Langfristig schaden Sie ihm durch eine wohlgemeinte, aber zu schonende Haltung, da sich seine Angst immer mehr verstärken und festigen wird.

Nehmen Sie Ihrem Partner also keine Aufgaben ab, vor denen er Angst hat oder bei denen es ihm mulmig ist, die er aber dennoch selbst erledigen könnte. Eine zu große Fürsorge ist bei der Angstbewältigung nicht förderlich. Im Gegenteil: die gut gemeinte Hilfe kann sich zum Schaden Ihres Partners verkehren.


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