Warum reagieren manche Menschen eher mit Angst als andere?

Es gibt Menschen, die bei kleinsten Veränderungen schon aus dem körperlichen Gleichgewicht geraten und mit Angst reagieren. Andere wiederum suchen sogar gezielt Herausforderungen und lieben das Prickeln bei Gefahren. Wie kommt es zu diesen Unterschieden?

Viele Faktoren beeinflussen die Bereitschaft, mit Angst zu reagieren:

  • angeborene Angstbereitschaft

Wissenschaftliche Untersuchungen deuten daraufhin, dass manche Menschen von Geburt an eine erhöhte generelle Bereitschaft haben, mit Angst zu reagieren. Sie benötigen weniger Stress, um körperliche Veränderungen zu erleben. Sie lernen Gegenmaßnahmen für Angst auslösende Situationen langsamer und gewöhnen sich langsamer an neue und veränderte Situationen.

  • erlernte Angstreaktionen


1. Erziehung
Ein ängstlich-überbehütender, aggressiv-abwertender oder Perfektion erwartender-kritisierender Erziehungsstil verhindert, dass wir lernen, uns zu vertrauen und Selbstvertrauen zu entwickeln. Wir lernen auch nicht, wie man mit Ängsten umgeht und sie überwindet. Als Erwachsene neigen wir dann dazu, unsere Fähigkeiten, mit Situationen und unseren Gefühlen klarzukommen, zu unterschätzen. Wir sehen z.B. in Fehlern eine Bedrohung unserer gesamten Person.

Auch ängstliche Eltern können uns als Vorbilder dienen, ähnliche Persönlichkeitszüge zu entwickeln.

2. Eigenschaften, Verhaltensweisen, die aus der Norm fallen oder von der Umgebung abweichen
Weisen wir als Kinder oder unsere Eltern Eigenschaften oder Verhaltensweisen auf, die von der Norm abweichen (z.B. Dialekt, Alkoholabhängigkeit, bestimmte Volksgruppe, Religion oder Schicht), dann werden wir möglicherweise von unserer Umwelt abgelehnt und/oder lehnen uns selbst ab. Als Erwachsene können wir z.B. unter einer starken Angst vor Ablehnung oder unter einer sozialen Angst leiden.

3. Trauma
Ein einziges Erlebnis, das wir als sehr gefährlich ansehen, kann genügen, dass wir von diesem Tag an ähnlichen Situationen aus dem Weg gehen oder sie nur mit massiven Angstbeschwerden angehen können.  (z.B. ein Unfall, Vergewaltigung, Brand)

4. Überlastung, Überforderung, Stress
Wenn wir uns in einer Krise befinden, uns überfordert fühlen, unsere Situation als ausweglos sehen, dann sind wir „verwundbarer und verletzlicher". Wir sind nervös und gereizt. Die Wahrscheinlichkeit, mit einer Panikattacke zu reagieren, steigt.

5. Persönlichkeit
Wir haben folgende Denk- und Verhaltensgewohnheiten:
1. Wir machen uns abhängig von der Meinung anderer, sorgen uns stark darum, wie wir ankommen
2.  Wir verlangen von uns Fehlerlosigkeit, überfordern uns dadurch und verachten uns, wenn wir Fehler machen.
3. Wir sehen uns als dumm, unfähig, unattraktiv, minderwertig .... und lehnen uns ab.
4. Wir fordern von uns, stets ruhig und beherrscht aufzutreten, wollen alles unter Kontrolle haben und am liebsten im voraus wissen, was auf uns zukommt.

  • sonstige Ursachen

- Einige Angstanfälle scheinen ohne vorheriges Lernen aufzutreten. Plötzlich, meist in einer Phase großer Anspannung (z.B. in einer Trennungsphase, bei Überarbeitung, bei großen Eheproblemen, Konflikten am Arbeitsplatz, bei der Pflege oder dem Tod eines Angehörigen), erleben Betroffene eine Panikattacke. Sie verknüpfen dann diesen Angstanfall mit bestimmten Merkmalen der Situation, in der er auftrat, und meiden diese Situation. Dadurch bleibt die Angst bestehen.

- Körperliche Erkrankungen
wie z.B. eine Schilddrüsenfehlfunktion, ein Mangel an Vitamin B1, eine Lebererkrankung, Störung im Kalziumhaushalt, Virusinfektion,  können Angstzustände auslösen. Ebenso kann ein niedriger Blutzuckerspiegel einen Schwindel- und Schwächeanfall auslösen. Auch Entzugserscheinungen von Alkohol oder Beruhigungsmitteln können Angstreaktionen verursachen.

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