Auf welche Ursachen ist die spezifische Phobie zurückzuführen?
Spezifische Phobien können wir auf unterschiedliche Ursachen zurückführen, häufig ist die Ursache jedoch unbekannt:
- 1. Angeborene Reaktionsweisen
• Untersuchungen an Tieren lassen den Schluss zu, dass es wohl von Geburt an zwischen den Menschen einen Unterschied in der allgemeinen Angstbereitschaft gibt. Das konkrete Angstverhalten in bestimmten Situationen hingegen wird stark von der Umwelt beeinflusst. Menschen mit einer hohen allgemeinen Angstbereitschaft reagieren schneller mit Angst und lernen Gegenmaßnahmen für Angst auslösende Situationen langsamer, gewöhnen sich langsamer an neue oder veränderte Situationen. Dennoch kann jeder Mensch Einfluss auf die Häufigkeit und Intensität seiner Ängste.
• Es gibt angeborene Schreckreaktionen (die Angst vor lauten Geräuschen, Blitzen, vor Schmerz und plötzlicher Hilflosigkeit, Herunterfallen oder Stürzen) und solche, die sich im Laufe der Kindheit infolge der entstehenden Phantasie des Kindes entwickeln wie vor Objekten, Tieren und Fremden, vor der Dunkelheit und tiefem Wasser, vor Stürmen und vor dem Alleinsein.
Normalerweise verschwinden diese Kindheitsängste von selbst, wenn die Furcht nicht durch eine negative Erfahrung oder fehlende Lernmöglichkeiten erhalten bleibt. Das Kind lernt, wie man sich vor Gefahren aus der natürlichen Umgebung schützt. In der Schule lernt es, die Furcht vor dem Übernatürlichen durch das Erlernen natur-wissenschaftlicher Gesetze zu überwinden.
Es gibt jedoch viele Menschen, die ihre Ängste mit ins Erwachsenenalter hinübernehmen. Kindliche Befürchtungen, über die der Betroffene nicht „hinausgewachsen” ist, lassen sich in drei Hauptkategorien einteilen:
a) Furcht vor von Menschen geschaffenen Dingen wie Furcht vor Fahrstühlen, lauten Maschinen, Sprengstoffen, Straßenverkehr, zusammenklappbaren Tischen und Stühlen und technischen Neuheiten, die kleine Kinder ängstigen.
b) Furcht vor natürlichen und übernatürlichen Ereignissen, die unverständlich und beunruhigend sind, wie Gewitter, Feuer, Dunkelheit, Tod, Blitz, Sturm, sich hin und her bewegende Äste.
c) Furcht, die mit Menschen im Zusammenhang steht, wie beispielsweise die Furcht, körperlich angegriffen zu werden, die Furcht, jemanden ärgerlich zu machen oder selbst ärgerlich zu werden, die Furcht vor Ablehnung und Verspottung, die Furcht, verlassen zu werden.
Die Furcht der frühen Kindheit spiegelt gewöhnlich Furcht vor dem Tod oder körperlicher Verletzung wider - bezüglich des Kindes selbst oder nahestehender Personen.
Die Furcht, die aus der Kindheit stammt und ins Erwachsenenalter fortdauert, bezieht sich meist auf die Gruppen a oder c.
- II Reaktionsweisen, die durch Lernen entstanden sind
1. Angst entsteht, wenn wir eine Situation als gefährlich erlebt haben (traumatisches Erlebnis) und uns diese Situation immer wieder ausmalen. Infolge des traumatischen Erlebnisses (beispielsweise das Erleben eines Sturzes, eines Autounfalls, das Erbrechen in der Straßenbahn, der Biss eines Hundes, beinahe Ertrinken im See) verändern wir die Einschätzung der Gefährlichkeit einer Situation radikal. Wir halten jetzt Situationen für gefährlich, die uns vorher als harmlos erschienen sind. Wir rechnen beständig mit der Möglichkeit einer Wiederholung der Erfahrung, haben Angst vor einer erneuten Konfrontation und den damit verbundenen schmerzlichen Gefühlen. Auch Situationen, die dieser Situation ähnlich sind, in der wir schlechte Erfahrungen gemacht haben, können wir ebenso gefährlich bewerten wie die ursprüngliche Situation. Die Angst weitet sich also aus.
2. Angst entsteht dadurch, dass wir in der Kindheit unsere Eltern und Bezugspersonen beobachten und nachahmen. Hat unsere Mutter z.B. eine große Angst vor Spinnen, haben wir gute Chancen, deren Bewertung von Situationen und damit deren Gefühlsreaktionen und Verhaltensweisen zu übernehmen.
3. Haben uns unsere Eltern beim Auftreten einer Angst sofort aus dieser Situation genommen oder unsere Angst dramatisiert, dann konnten wir keine aktive Bewältigung der Angst erlernen. Wir müssen als Kinder die Möglichkeit haben, unsere Angst stufenweise ertragen zu lernen. So lernten wir vielleicht, dass Angstgefühle etwas Schreckliches sind, das wir durch Flucht oder Vermeidung bekämpfen sollten, oder nur mit Unterstützung anderer ertragen können.
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4. Angst entsteht auch, wenn wir Informationen und Nachrichten verzerrt wahrnehmen und die Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses überschätzen – wie z.B. bei der Flugangst oder der Aidsangst.

