Ungeeignete Strategien der Angstbewältigung
Da die meisten von uns große Angst als sehr unangenehm empfinden, suchen wir nach Möglichkeiten, unsere Angst zu reduzieren.
- Meidung
Wir vermeiden die Situationen, vor denen wir uns fürchten. Wenn wir Angst haben, aus dem Haus zu gehen, dann bleiben wir, wenn irgendwie möglich, zuhause und gehen nur außer Haus, wenn es sich absolut nicht vermeiden lässt.
Unser Vermeidungsverhalten wird durch Angstfreiheit belohnt, aber um welchen Preis? Je öfter wir eine Situation meiden, vor der wir Angst haben, umso größer wird die Angst davor. D.h. wir tun uns keinen Gefallen mit unserem Vermeidungsverhalten.
- Flucht
Wir flüchten aus den Situationen, in denen wir Angst verspüren. Die Angst lässt nach, wenn wir uns quasi in Sicherheit bringen.
Wir machen dann aber auch nicht die Erfahrung, dass unsere Angst unbegründet war und wir die Situation hätten meistern können.
Unsere Angst bleibt oder wird noch verstärkt. D.h., wenn wir uns der Angst nicht stellen und nicht erleben, dass die Gefahr nur in unserer Einbildung existiert, dann wird die Angst zu unserem ständigen Begleiter.
- Betäubung
Wir greifen zu Alkohol, Zigaretten, Essen und Beruhigungsmitteln, um unsere unangenehmen Gefühle zu unterdrücken oder um sie nicht mehr wahrzunehmen. Wenn wir nur gelegentlich auf diese Seelentröster zurückgreifen, dann ist das kein Problem. Benutzen wir sie aber regelmäßig, besteht die Gefahr, dass wir von ihnen seelisch und körperlich abhängig werden.
- Grübeln
Wir haben es uns zur Gewohnheit gemacht, uns darum zu sorgen, dass uns oder unseren Angehörigen etwas Schlimmes passieren könnte. Diese Katastrophenphantasien lösen Angst aus und, um diese Angst zu reduzieren, springen wir zur nächsten Sorge.
Außerdem haben wir eine Art magischen Denkens. Wir glauben, dass es helfe, ein Unheil zu vermeiden, wenn wir uns dieses immer wieder vorstellen. Die Sorgen sind für uns ein Hilfsmittel, mit unserer Angst vor der Zukunft und mit Unsicherheit umzugehen.
- Ablenkung
Wir haben eine Strategie entwickelt, uns abzulenken, wenn wir uns in Situationen befinden, die wir mit Gefahr verknüpfen. Wir lesen Zeitung, singen, pfeifen, hören Radio.
Das können kurzfristig sinnvolle Strategien sein, um mit Angst umzugehen. Da sie nicht an den Ursachen der Angst ansetzen, sind sie jedoch auf Dauer eher ungeeignet.
- Suche nach Verbündeten
Wir reduzieren unsere Angst dadurch, dass wir nur noch mit einer Begleitperson in die für uns Angst auslösenden Situationen gehen.
Mit der Zeit werden sie dadurch immer unselbständiger.
- Unterdrückung
Wir halten Angst für ein Zeichen von Schwäche und versuchen deshalb, sie zu unterdrücken.
Durch das Unterdrücken der Gefühle verspüren wir dann häufig das Gefühl, verrückt zu werden.
- Kontrolle/Zwänge
Wir entwickeln Zwangshandlungen und Zwangsgedanken, um damit unsere Ängste in den Griff zu bekommen. Wenn wir z.B. große Angst davor haben, einen Fehler zu machen, dann gewöhnen wir uns vielleicht an, alles doppelt und dreifach auf seine Richtigkeit hin zu überprüfen. Wir reduzieren unsere Angst dadurch, dass wir überkorrekt sind und entwickeln einen Kontrollzwang. Zwänge sind sehr oft nichts anderes als der Versuch, mit Angst umzugehen.
- Aufschieben
Wir schieben das, was uns Angst macht, weg. So schieben wir z.B. Vorbereitungen für eine Prüfung oder den Besuch des Arztes vor uns her, um damit unserer Angst aus dem Weg zu gehen.
- Sicherheitsverhaltensweisen
Wir gehen zwar noch in die Situationen, vor denen wir Angst haben, aber treffen ganz bestimmte Vorsorgemaßnahmen. Wir nehmen ein Handy mit, gehen nur dort hin, wo ein Arzt in der Nähe ist (z.B. bei einer Agoraphobie), schauen anderen nicht in die Augen (z.B. bei Redeangst), tragen eine bestimmte Kleidung (z.B. bei einer Angst, hässlich zu sein), nehmen eine Brechtüte mit (z.B. bei der Angst, zu erbrechen), nehmen ein Insektenspraymittel mit (z.B. bei einer Spinnenphobie), usw.
Wenn wir uns jedoch ein Sicherheitsverhalten angewöhnen, können wir nicht erfahren, dass wir die Situation auch ohne Sicherheitsverhalten aushalten können bzw. dass dort nichts Schlimmes passiert.
Der große Nachteil all dieser Verhaltensweisen ist, dass sie nicht an den Wurzeln der Angst ansetzen.

