Wie Sie auf die Angsterkrankung Ihres Partners reagieren könnten
Wenn Ihr Partner unter Ängsten leidet, dann sind Sie höchstwahrscheinlich auch davon betroffen. Es ist vielleicht sehr schmerzlich für Sie, mit ansehen zu müssen, wie Ihr Partner sich immer mehr zurückzieht und wie seine Leistungsfähigkeit immer mehr abnimmt.
Ihre gemeinsamen Interessen und Hobbys werden nicht mehr verfolgt, der Kontakt zu Ihren Freunden vielleicht nicht mehr gepflegt. Vielleicht haben Sie Existenzangst, dass Ihr Partner seine Anstellung wegen seiner Ängste verliert. Vielleicht hat Ihr Partner in seiner Not auch begonnen, zu trinken oder eine Tablettenabhängigkeit entwickelt, und Sie leiden unter seiner Sucht.
Sie wollen ihm helfen, schwanken dabei möglicherweise zwischen vielen wechselnden Gefühlen und Reaktionsmustern:
- Sie setzen all Ihre Überzeugungskraft ein und reden beruhigend auf Ihren Partner ein, wann immer er Angst verspürt.
- Sie wollen helfen, damit Ihr Partner möglichst schnell seine Angst überwindet. Deshalb gegen Sie ihm Ratschläge, was er noch tun kann, informieren sich umfassend über seine Erkrankung und bieten ihm Unterstützung an
- Sie sind verständnisvoll und nehmen Rücksicht auf ihn – leben schließlich selbst das Leben eines Angstkranken.
- Sie fühlen sich bedrückt, belastet oder verzweifelt, weil es Ihrem Partner schlecht geht.
- Sie versuchen stark zu sein und keine eigenen Probleme zu bekommen oder auf den Tisch zu bringen.
- Sie sind mit Ihrem Partner zusammen ständig auf der Hut, wann der nächste Angstanfall kommen könnte und wie man ihn verhindern könnte.
- Sie werden zum Experten, besuchen Foren und sprechen mit Ärzten, vernachlässigen sich dabei mit Ihren Bedürfnissen.
- Sie quälen sich mit Fragen, was Sie Ihrem Partner zumuten können oder sollen, auf welche Aktivitäten Sie bestehen sollen, usw.
- Sie haben Schuldgefühle, etwas falsch gemacht zu haben und für die Angsterkrankung Ihres Partners verantwortlich zu sein.
- Sie sind kraft, mut- und hilflos, weil keine Besserung feststellbar ist und Sie nicht wissen, wie es weitergehen soll.
- Sie fühlen sich ungerecht behandelt und schikaniert, wenn Ihr Partner Ihnen manchmal Vorwürfe macht, statt dankbar zu sein.
- Sie werden ärgerlich, weil sich alles nur noch um Ihren Partner dreht.
- Sie sehen sich als Elternteil, welches sein Kind immer wieder ermutigt und zu „seinem Glück“ zwingt.
- Sie fühlen sich ausgenutzt, weil Ihr Partner mal Ihre Hilfe fordert, mal zurückweist.
- Sie fühlen sich mit Ihren Sorgen nicht verstanden, müssen nun immer stark sein, während ihm die Rolle des Hilfsbedürftigen zufällt.
- Sie fühlen sich in Frage gestellt und werden wütend, weil Ihr Partner Ihre gut gemeinten Ratschläge nicht annimmt und sich nichts bessert. Als Folge davon, lassen Sie in Ihrem Einsatz nach. Dann machen Sie sich Schuldgefühle, ihn hängen zu lassen.
- Sie fühlen sich zu kurz gekommen, weil Ihre Wünsche in der Partnerschaft nicht mehr vorkommen.
- Sie haben selbst Angst, wie in der Zukunft alles weitergehen soll.
- Sie sind enttäuscht, dass das jetzt alles vom Glück gewesen sein soll, was Sie in der Partnerschaft bekommen können.
- Sie zweifeln an Ihrer Liebe und der Partnerschaft.
Haben Sie sich in einigen der Gefühls- und Reaktionsmuster wieder erkannt? Verurteilen Sie sich manchmal für derartige Gedankengänge und Gefühle? All diese Gedanken und Gefühle sind verständlich und normal.
Wenn Sie einen angstkranken Partner über längere Zeit begleiten, dann zehrt dies auch an Ihren Kräften. Sie sind kein ausgebildeter Therapeut sondern ein Partner mit eigenen Bedürfnissen. Auch wenn Sie Ihren Partner lieben, dürfen Sie ab und zu enttäuscht oder ärgerlich auf ihn sein.

