Welche Folgen eine Psychotherapie für Ihre Partnerschaft haben kann


So sehr vielleicht Sie und Ihr Partner eine Psychotherapie herbeisehnen, so kann doch auch die Psychotherapie Ihre Partnerschaft erheblich beeinflussen. Während Ihre Angsterkrankung zunächst Ihre Aufgaben und Aktivitäten verändert hat, sind es nun die Anregungen des Psychotherapeuten bzgl. Ihre Erkenntnisse in der Therapie, die sich auf Ihre Einstellungen, Gefühle und Ihr Verhalten auswirken.

Ziele der Therapie sind, dass Sie sich neue Denk- und Verhaltensweisen aneignen. Deshalb ist es auch ein Fortschritt, wenn Ihre neuen Erkenntnisse nun im Alltag in Ihrem Kopf kreisen. Sie sind deshalb vielleicht unkonzentriert, verunsichert, gereizt, usw.

Vielleicht ist  Ihr Therapeut nun plötzlich auch ein Teil der Partnerschaft: "Mein Therapeut hat gesagt, dass ...",  gehört dann zu den häufigsten Redewendungen, die Sie benutzen. Ihr Partner versucht Ihnen vielleicht sogar dadurch zu helfen, indem er die Rolle des Cotherapeuten einnimmt und Sie immer wieder an das erinnert, was der Therapeut zu Ihnen sagt.

Im Verlauf Ihrer Therapie können dann z.B. bei Ihnen folgende Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen auftauchen:

  • Sie hassen Ihren Partner, wenn dieser die Ratschläge Ihres Therapeuten befolgt, Ihnen z.B. nicht mehr alles abzunehmen und Sie Ihre Angst spüren zu lassen.
  • Sie sind trotzig und ungehalten, wenn der Partner Sie mit Angstsituationen konfrontiert.
  • Sie fühlen sich von Ihrem Partner entfremdet, weil Ihr Therapeut Sie besser versteht als Ihr Partner.
  • Sie verspüren wieder Hoffnung und erste Veränderungen, haben aber den Eindruck, Ihrem Partner sei Ihre Verbesserung nicht recht.
  • Sie bemühen sich darum, die in der Therapie erlernten Strategien in den Alltag zu übertragen.

Da sich hinter einer Angsterkrankung wie etwa einer Panikstörung oder Agoraphobie häufig andere Ängste verbergen - beispielsweise die Angst vor Ablehnung, die Angst, Nein zu sagen, oder auch eine geringe Selbstachtung, kann es ein Ziel für Sie sein, häufiger Wünsche zu äußern, Ihre Meinung zu sagen und sich Ihrem Partner gegenüber durchzusetzen.

Möglicherweise treffen Sie dabei am Anfang den Ton noch nicht so richtig und sind leicht aggressiv. Ihr Partner könnte Ihre Veränderung als negativ erleben, Sie nun als egoistisch und rechthaberisch ansehen. Seine Reaktion wiederum verunsichert Sie oder macht Sie ärgerlich, weil Sie denken, Ihr Partner wolle Ihren Therapiefortschritt nicht.

Eine Psychotherapie kann also neben den positiven Effekten auch „Sand ins Getriebe“ der Partnerschaft bringen. Für Sie und Ihren Partner ist es an diesem Punkt wichtig, über Gefühle und Erwartungen zu sprechen – am besten nicht als Vorwurf, sondern nur als Beschreibung und Wunsch - z.B.: "Ich sehe das so .... und deshalb fühle ich mich ...", "Ich fühle mich ... und ich wünsche mir..."

Sowohl Sie als Ihr Partner müssen sich auf die Veränderungen erst einstellen. Meist führt eine Therapie nicht nur zum Abbau der Angst, sondern auch zu grundsätzlichen Veränderungen im Denken, Fühlen und Verhalten. Ihre Partnerschaft muss erst wieder in ein neues Gleichgewicht kommen, die Rollen und Aufgaben müssen neu verteilt werden.

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