Was tun, wenn Sie einen Rückfall haben?
Wenn wir der Angst schrittweise ihr Revier abtrotzen und uns mit viel Mut und Kraft mit den Angst auslösenden Situationen konfrontieren, dann wünschen wir uns natürlich nichts sehnlicher, als dass die Fortschritte "für immer" erhalten bleiben. Doch leider ist dies nicht immer der Fall. Es kann sein, dass Sie einen Rückfall haben werden. Ja, das ist sogar recht wahrscheinlich.
Rückfall bedeutet, dass Sie nicht nur ab und zu mal ins alte Muster fallen und danach wieder Ihr neues Denken und Verhalten praktizieren, sondern dass Sie konstant Ihre alten Denk- und Verhaltensweisen zeigen. Sie beginnen z.B., wieder Erwartungsangst aufzubauen und Situationen zu meiden. Sie setzen Ihr Sicherheitsverhalten wieder ein, um Ihre Angst wenigstens kurzfristig einzudämmen. Sie flüchten aus Situationen, statt die Angst auszuhalten und zu warten, bis sie abnimmt. Und dann verurteilen Sie sich vielleicht noch dafür, dass Sie wieder ins alte Muster gefallen sind und machen sich Angst, dass Sie nun nie mehr da rauskommen können.
Hinter einem Rückfall können sich viele unterschiedliche Ursachen verbergen. Ausführliche Informationen finden Sie in den Selbsthilfe Informationen Fortschritte, Rückschritte.
Was Sie bei einem Rückfall tun können
- 1. Setzen Sie positive Selbstinstruktionen ein.
Viele Betroffene machen an diesem Punkt den Fehler, dass sie sich viele negative Gedanken machen. Sie erzählen sich z.B.: "Jetzt ist alles aus.", "Nie werde ich meine Angst überwinden.", "Alle Anstrengung war vergebens.", "Ich bin unfähig." oder "Ich habe komplett versagt."
Die Folge solch negativer Gedanken ist natürlich, dass die Betroffenen verzweifelt, ärgerlich, demotiviert und hoffnungslos sind. In Wirklichkeit sind diese Gedanken unangemessen und übertrieben.
Positive Selbstinstruktionen sind z.B.:
"Ich kann jederzeit wieder damit starten, meine neu erlernten Bewältigungsstrategien einsetzen, die ich bereits beherrsche."
"Ich habe auch jetzt noch die Möglichkeit, meine Angst abzubauen bzw. zu überwinden."
"Meine bisherigen Erfolge bleiben bestehen. Ich weiß nun, was ich erreichen kann."
- 2. Verzichten Sie auf Schuldgefühle und akzeptieren Sie den Rückfall.
Ein Rückfall ist absolut kein Grund, sich zu verurteilen und als Versager zu brandmarken.
- 3. Suchen Sie nach den Ursachen für einen Rückfall.
Analysieren Sie, weshalb Sie ins alte Muster gefallen sind und was Sie benötigen, wieder auf den Weg zu Ihrem Ziel zu kommen.
- 4. Erlauben Sie sich eine Auszeit.
Wenn Ihr Rückfall die Folge einer generellen Krisensituation oder körperlichen Erschöpfung ist, dann sollten Sie Ihre Kraftreserven sorgsam dosieren, sich vielleicht für den Augenblick eine Auszeit gönnen.
- 5. Treffen Sie die Entscheidung, wann Sie wieder starten.
Wichtig ist, dass Sie sich bei einer Auszeit einen konkreten Startpunkt geben, wann Sie sich wieder an die Arbeit machen – z.B. wenn die Situation xy zu Ende ist oder zu einem bestimmten Termin.
- 6. Behandeln Sie sich besonders liebevoll.
In einer Krise braucht Ihr Körper besonders viel Zuwendung und Aufmerksamkeit. Lassen Sie sich eine Massage geben. Machen Sie Entspannungs- und Atemübungen. Bauen Sie Ihre Anspannung durch Bewegung ab und trinken Sie viel Mineralwasser.
- 7. Beginnen Sie von vorne.
Bringen Sie sich wieder in die positive Stimmung, zu lernen, die Angst-Situationen zu bewältigen und Ihre Angst abzubauen. Lesen Sie in Ihrem Arbeitsheft oder in den Texten oder Büchern, die Sie bei Ihrem ersten Start zu Hilfe genommen haben. Schauen Sie sich nochmals die Videos an, die Ihre Angststörung behandeln.
Wenn Sie sich ausmalen, was Sie durch Ihre Veränderung gewinnen können, werden Sie mehr Kraft zum Wiedereinstieg und Neuanfang haben.
- 8. Rufen Sie sich Ihre Bewältigungsstrategien in Erinnerung.
Sie brauchen viele Bewältigungsstrategien wahrscheinlich nicht mehr neu zu erlernen, sondern müssen sie einfach nur wieder üben und einsetzen.
- 9. Nehmen Sie (wieder) Kontakt zum Psychotherapeuten auf.
Scheuen Sie sich Kontakt zu einem Psychotherapeuten aufzunehmen oder, wen Sie bereits in Therapie waren, nochmals einige Therapiesitzungen in Anspruch zu nehmen. Der Therapeut wird mit Ihnen die Gründe für den Rückfall suchen und Ihnen bei dem zweiten Anlauf helfen.
- 10. Besuchen Sie eine Selbsthilfegruppe.
Dort können Sie sich mit Betroffenen austauschen. Deren Fortschritte und Erfahrungen können Ihnen dabei helfen, die Kurve zum Weg aus der Angst wieder zu bekommen.
- 11. Engagieren Sie sich in einem Forum im internet.
Ein Forum steht Ihnen Tag und Nacht zum Austausch mit anderen Betroffenen offen. Sie können sich dort hilfreiche Anregungen holen und auch andere an Ihren Erfahrungen teilhaben lassen. Beispielsweise finden Sie hier ein Angstforum.
Sehen Sie Ihren Rückfall als Chance an, neue Fähigkeiten zu entwickeln, oder als Herausforderung, zu beweisen, was alles in Ihnen steckt, dann werden Sie den Rückfall meistern.

